Der Familientag der Frühförderung am 13. Juni 2026
Am Samstag, den 13. Juni 2026 war es wieder so weit: Die Frühförderstelle der Schloss-Schule lud zum alljährlichen Familientag in ihre Räumlichkeiten ein. Zahlreiche Familien, die von einer der Frühförderinnen des achtköpfigen Teams betreut und beraten werden, folgten der Einladung und trafen gegen 10:30 Uhr in Ilvesheim ein. Nach unbeständigen Regentagen zuvor belohnte das Wetter alle, die sich an dem Morgen auf den Weg gemacht hatten, mit milden Temperaturen und Sonnenschein. Empfangen wurden die Familien, wie in den Jahren zuvor, im Hauptgebäude des Bildungsgangs Geistige Entwicklung, wo das Team der Frühförderung bereits Tische mit Tee/ Kaffee und Keksen für ein gemütliches Beisammensein vorbereitet hatte. Doch beim Plaudern und Naschen allein sollte es an diesem Tag nicht bleiben. Wie üblich hatten die Gastgeberinnen auch mehrere Angebote vorbereitet, welche in verschiedenen Räumen zum Entdecken, Erkunden und Ausprobieren einluden. In diesem Jahr lautete das Motto „Gegensätze ziehen sich an“. Zu diesem Thema wurden Erfahrungsräume für unterschiedliche Interessensgebiete und Bildungsbereiche vorbereitet – vom Erlebnis einer musikalisch untermalten Geschichte über Bewegungsangebote und Experimente bis hin zur kreativ-gestalterischen Auseinandersetzung mit dem Thema.
Im Musikzimmer wurde die Geschichte vom Wettlauf zwischen dem Hasen und der Schildkröte gespielt – und, siehe da, die Schildkröte wurde Siegerin, denn “ mit Ruhe und Geduld geht´s halt doch am besten“. Alle Tiere und Aktionen wurden durch Geräusche dargestellt, die Kinder erforschten außergewöhnliche Musikinstrumente, diverse Medien der Unterstützten Kommunikation und untermalten mit deren Hilfe den Text mit vielfältigen Geräuschen. Daneben wurde gehoppelt und auf allen Vieren gelaufen – mal schnell, mal langsam. Auch die lebensgroßen Modelle von Hase und Schildkröte stießen auf großes Interesse und wurden fleißig betrachtet und gestreichelt.
Wer seinem Bewegungsdrang freien Lauf lassen wollte, konnte den Pfeilen in die Turnhalle folgen. Dort probierten Kinder und Eltern verschiedene Stationen aus und erlebten dabei Gegensätze spielerisch. An einer Wippe konnte der schnelle Wechsel zwischen „oben und unten“ / „hoch und tief“ eindrücklich nachvollzogen werden. Viele verschiedene Bälle luden zum Ausprobieren ein: große und kleine, leichte und schwere Bälle wurden sortiert. Besonders interessant für die kleinen Besucher waren zwei Bänke, die als Rutschen in die Sprossenwand eingehängt waren – die Kinder saßen „hoch oben“ und fanden sich nach dem Rutschen „unten“ wieder. Der spürbare Kontrast zwischen einer weichen Turnmatte neben einem harten Resonanzbrett, für die Ganzkörpererfahrung im Liegen, rundete das Angebot in der Sporthalle ab.
Die Familien nahmen die Ideen gerne an und alle hatten viel Freude daran, die verschiedenen Stationen gemeinsam auszuprobieren.
Die Frühförderinnen, die ein kreatives Angebot im Kunstraum vorbereitet hatten, widmeten sich in diesem Jahr dem Thema „Kontraste Sehen und Kontraste Fühlen“ und verbanden so besonders unmittelbar das Motto „Gegensätze“ mit blinden- und sehbehindertenpädagogischen Prinzipien. Um Kontraste möglichst intensiv sichtbar zu machen, wurde mit Neonfarben gearbeitet, die man im Anschluss unter Schwarzlicht betrachten konnte. Um Kontraste auch taktil erfahren zu können, gab es außerdem die Möglichkeit ein eigenes, individuelles Bild mithilfe der „Schütteltechnik“ und Deko-Sand sowie Deko-Steinchen in diverser Körnung und Färbung sowie Streusternchen herzustellen. So entstanden auf schwarzem Karton Glitzerspuren unterschiedlicher Haptik und Optik. Den Kleber konnten die Kinder und deren Eltern mithilfe einer „Föhnstation“ trocknen. Dort konnte der Föhn mittels eines Tasters (Medium der Unterstützten Kommunikation) ausgelöst werden, was auch sehr jungen, seh- und/oder körperbeeinträchtigten Kindern ein eigenständiges Mitarbeiten ermöglichte und gerade bei diesen Kindern entsprechend beliebt war. Als ergänzendes Angebot gab es außerdem ein „Kino in der schwarzen Kiste“, in dem man mit selbst gemalten Motiven auf einer Projektionsfläche mit Licht und Schatten experimentieren, spielen und seine eigenen Geschichten zu den selbst gemalten Bildern erzählen konnte. Der Kunstraum wurde wie so oft zu einem gerne besuchten Raum mit lebhaftem Treiben. Es gab Geschwister, die mit Begeisterung alles ausprobierten, Frühförderkinder die gemeinsam mit ihren Eltern aktiv waren und Mütter und auch Omas, die selbst Spaß daran hatten einmal wieder kreativ zu sein und beispielsweise tastbare Türschilder für die Kinderzimmertür ihrer Kinder herstellten.
Zu guter Letzt kamen auch Familien mit einem experimentellen Interesse an der faszinierenden Welt der Gegensätze auf ihre Kosten. Im Naturlehrraum waren zahlreiche Stationen mit Experimenten zu diversen Gegensätzen aufgebaut. Die Frühförderkinder und ihre Familien konnten hier ihrem Erkundungsdrang freien Lauf lassen und ganz konkret-gegenständlich Naturphänomene erfahren, vergleichen und dabei zahlreiche Gegensätze wahrnehmen. Für jeden kleinen und großen Besucher war hier etwas dabei: Beginnend bei ganz basaler Körperwahrnehmung wie dem Spüren von Warm und Kalt, Fest und Flüssig, dem Schmecken von Süß und Sauer oder dem Sehen von Hell und Dunkel im „Little Room“ über experimentelle Vergleiche unterschiedlicher Objekte und Materialien zu den Themen „Schwimmen und Sinken“ oder „Schwer und Leicht“ bis hin zu klassischen Experimenten, die Beobachtung und lösungsorientiertes Handeln erfordern (z.B. ein Gleichgewicht auf einer Balkenwaage herstellen). So konnten alle Gäste in diesem Raum nach eigenen Interessen und Fähigkeiten experimentieren, staunen und Gegensätze in unserer Umwelt für sich selbst erfahrbar machen. Besonders faszinierend war hier für Erwachsene und
(Klein-)Kinder gleichermaßen die sogenannte „Nicht-Newton’sche Lösung“, welche sich bei langsamer Bewegung wie eine Flüssigkeit verhält, bei schneller Bewegung hingegen zäh oder sogar richtig hart wird. Hier entstanden über das Staunen und Entdecken hinaus zahlreiche Gespräche und so manches Elternteil entdeckte ein bisher ungeahntes Interesse seines kleinen Sprösslings – mal für saure Zitronen, mal für zähe Flüssigkeiten, Wärme, einen bunt beleuchteten „Little Room“ oder einfach nur eine Kiste voller unterschiedlicher Steine.
Wie in jedem Jahr gab es ergänzend zu den „aktiven“ Angeboten auch einen Raum mit Materialausstellung, in der Eltern sich Anregungen für Spielmaterialien mit besonders entwicklungsförderndem Wert für blinde und/oder sehbehinderte Kinder holen, oder die Kinder selbst Neues entdecken konnten.
Im Anschluss an die Erkundung der vielfältigen Räume und Angebote kam eine Pause mit gemeinsamem Essen genau zur richtigen Zeit und so begaben sich alle Familien wieder in die Pausenhalle, wo in einem angrenzenden Klassenzimmer das Buffet aus mitgebrachten Speisen der Besucher darauf wartete, verzehrt zu werden. In lockerer Atmosphäre saßen die Familien und deren Frühförderinnen sowie Erzieherinnen des schulischen Internats und Anwärterinnen, die zur Unterstützung ebenfalls an diesem Samstag hinzugekommen waren, an langen Tischen zusammen und tauschten sich beim Essen aus. Hierbei wurden zahlreiche neue Kontakte geknüpft, Tipps weitergegeben oder einfach von unterschiedlichen Erfahrungen berichtet.
Den Abschluss des Familientages bildete wie in den Jahren zuvor eine illustre gemeinsame Runde am Fallschirm im Freien. Wer Lust hatte, konnte sich mit in den Kreis um den Fallschirm begeben und beim Schwingen des Tuchs mithelfen oder sich darunterlegen und den Wind spüren. Anschließend wurde gemeinsam das Abschiedslied angestimmt und viele, von den zahlreichen Eindrücken ermüdete, kleine Kinder von ihren Eltern in Richtung Ausgang getragen und geschoben. Wer allerdings noch Interesse an einer Führung durch den Schulkindergarten oder den Internatsbereich hatte, bekam hierzu im Anschluss an den Familientag noch die Möglichkeit und so teilte die Gruppe der Besucher sich auf. Einige besuchten den Schulkindergarten oder das Internat, andere traten bereits den Heimweg an. Alle Familien jedoch hatten mit ihrem Besuch des Frühförder-Familientages den Vormittag bereichert und zu dem gemacht, was er rückblickend geworden war – ein ebenso kurzweiliger wie vergnügt-wuseliger Tag voll intensiver Eindrücke, interessanter Gespräche und einer ausgesprochen freundlichen Atmosphäre. Das Frühförderteam dankt wie immer allen Familien, die sich auf den Weg gemacht und mit Essensspenden, Offenheit und Neugier einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Familientages leisteten. Ebenso gilt unser Dank ein weiteres Mal den zahlreichen Helferinnen und Helfern aus Schule, Internat, den Haus- und Hauswirtschaftsdiensten, ohne deren Unterstützung die Durchführung nicht möglich gewesen wäre.
(Vera Bergmann)









