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Besuch der SightCity 2017

Am Mittwoch, den 3. Mai 2017, besuchte eine kleine Gruppe die SightCity in Frankfurt.

Die SightCity, die dieses Jahr bereits zum 15. Mal stattfindet, ist die größte Fachmesse für blinde und sehbehinderte Europas. Hier präsentieren rund 120 Aussteller aus über 20 Ländern Hilfsmittel, die blinden und sehbehinderten Menschen helfen, ihren Alltag erfolgreich zu meistern, wobei es kaum etwas gibt, was man hier nicht findet. Außerdem bietet die SightCity die Möglichkeit, Vereine und Ausbildungsstätten für Menschen mit Seheinschränkung kennenzulernen. Neben der Ausstellung gibt es ein vielfältiges Angebot an Vorträgen und Diskussionen zu verschiedenen Themen, dessen Leitfrage dieses Jahr „aktive barrrierefreie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – was bringt die Zukunft?“ lautet.  Nach einer etwa einstündigen Autofahrt kamen wir an der Messe an. Dort haben wir uns die verschiedensten Dinge angeschaut. Zunächst haben wir eine die spezielle Brille „OrCam“ gezeigt bekommen. Diese Brille setzt man sich auf wie eine gewöhnliche Brille, doch wenn man zum Beispiel ein Papier in Schwarzschrift anschaut, liest die Brille den Inhalt vor. So kann man Briefe, Prospekte und alles andere, was sich so im Briefkasten befindet, ohne die Hilfe einer sehenden Person identifizieren und sortieren. Beim Einkaufen ist das besonders praktisch: Wenn man Verpackungen oder Tüten anschaut, liest die Brille die sich dort befindende Schrift vor – und damit ist nicht nur gemeint, um was für ein Prdukt es sich handelt, sondern auch Preis, Inhaltsstoffe und so weiter. Auch kann die Brille Gesichter erkennen. So kann sie Freunde oder Bekannte erkennen, wenn diese auf den Träger zukommen und diesen darauf hinweisen. Wir durften die Brille selbst ausprobieren und konnten uns auf diese Weise über den eingebauten Lautsprecher einen Infotext, der in Schwarzschrift geschrieben war, vorlesen lassen.

Aber natürlich ist es nicht optimal, sich alles vorlesen zu lassen. Deshalb stellten einige Firmen neue Braillezeilen (Geräte, die man mit dem Laptop oder Computer verbindet und die mittels eines besonderen Programms den Inhalt, der auf dem Bildschirm angezeigt wird, in Blindenschrift übertragen, sodass blinde sie auch lesen können) vor. Hier gab es kleine und handliche Braillezeilen, aber auch solche mit integriertem Computer. Solche Zeilen sind extrem leistungsfähig und können nicht nur die Inhalte eines Bildschirms in Blindenschrift wiedergeben, sondern auch unabhängig eines Computers oder Laptops Dokumente erstellen und bearbeiten oder E-Mails verschicken. Die besten Geräte haben sogar integrierte Lautsprecher!

So verschiedene Braillezeilen es gibt, so verschiedene Blindenuhren gibt es auch. Manche zeigen die Uhrzeit in Blindenschrift an, andere sind mit einer Sprachausgabe ausgestattet, die die Uhrzeit auf Knopfdruck ansagt, wieder andere können aufgeklappt werden, sodass man durch vorsichtiges Betasten des Zifferblatts die Uhrzeit ablesen kann. Hier haben wir noch eine neue Form kennengelernt: Die Vibrations-Uhr „Meteor“. Wie der Name schon sagt, arbeitet diese Uhr mit Vibrationssignalen. Sie ist sehr leicht und liegt gut in der Hand. Über drei Knöpfe kann die Uhrzeit über Vibrationssignale erfasst werden. Dabei ist ein Knopf für die Stunden, ein Knopf für die Zehner einer Stunde (also 10, 20, 30, 40, 50) und ein Knopf für die einzelnen Minuten (1, 2, 3, 4 usw.). Wenn es also 05.25 Uhr (oder 17.25 Uhr, das macht in diesem Fall keinen Unterschied) ist, drückt man zuerst auf den Stunden-Knopf. Dieser vibriert fünfmal, da es ja 05.00 Uhr ist. Dann drückt man auf den Zehner-Knopf, dieser vibriert zweimal, da es ja 20 Minuten nach 05.00 Uhr ist. Als letztes drückt man auf den Minuten-Knopf, der fünfmal vibriert. So weiß man: Es ist 25 Minuten nach 05.00 Uhr, also 05.25 Uhr!

Zum Schluss bekamen wir den Braille Music Editor erklärt. Das ist ein Computerprogramm, welches in Blindennotenschrift geschriebene Musiknoten in Schwarzschriftnoten umwandelt, sodass sehende sie auch lesen können. Möglichkeiten, Schwarzschriftnoten in Blindennotenschrift umzuwandeln, gibt es zur Genüge, doch wenn man Braillenoten in Schwarzschriftnoten übersetzen möchte, ist dieses Programm die einzige Möglichkeit.  Während der gesamten SightCity begegnete uns immer wieder ein System, welches uns auf die Idee brachte, so etwas in unserer Schule selbst einzurichten und zu testen. In einer speziellen Eventversion der App „Blindsquare“, die Bushaltestellen, Kreuzungen, Geschäfte und einiges mehr ansagt, probierte der Hersteller ein Indoor-System aus. Dieses funktioniert über sogenannte Beacons. Diese sind im ganzen Gebäude verteilt und funktionieren per Bluetooth. Wenn man nun irgendwo im Gebäude die Event-App von „Blindsquare“ startet, kann man sich verschiedene Informationen zu seiner Umgebung ansagen lassen. Beispiel: „In diese Richtung führen zwei Treppen nach oben zur Rezeption. In der Mitte befindet sich der Aufzug. Links neben der Treppe befinden sich der Infostand für das SightCity-Forum und danach die Damentoiletten, rechts neben der Treppe die Garderobe und danach die Herrentoilette.“ Dieses System wirkte für uns alle im Großen und Ganzen recht ansprechend.  Und dann war es schon fast 18.00 Uhr und so fuhren wir zurück in die Schule. Wir konnten viele interessante Sachen kennenlernen und es war zwar anstrengend, aber auch sehr spannend.

(Kerstin Peters, 9. Klasse der Realschule)