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Schullandheim 2014 der Realschulklasse 7 in Bersbuch

Vom 23. bis zum 26. September ging es für die Realschulklasse 7 ins Schullandheim nach Bersbuch. Das kleine Dörflein liegt in Österreich mitten im Bregenzerwald.

Am Dienstagmorgen trafen wir uns zu Schulbeginn nicht wie sonst im Klassenraum, sondern im Wirtschaftshof der Schloss-Schule Ilvesheim bei den Schulbussen. Wir luden alles ein und machten uns keine zwanzig Minuten später auf den Weg. Während der Fahrt (Fahrzeit ohne Pausen ca. 4,5 Stunden) wurde gegessen, geschlafen, gequatscht, gezockt oder Musik gehört. In Ulm machten wir eine Toilettenpause. Nächster Halt war das Haus der Vermieterin in Andelsbuch in Österreich.

Dort wurden wir schon beim Aussteigen mit lautem Muhen begrüßt. Direkt neben dem Parkplatz befand sich ein Stall, deren sich darin befindende Kühe uns mit neugierigen Blicken musterten. In diese Musterungsprozedur stimmten wir ein, indem wir ebenfalls das „Wohngebiet der Kühe“ betraten. Dabei lernten wir nicht nur die Tiere kennen, sondern bemerkten auch, dass nicht nur jeder Mensch, sondern auch jede Kuh ihre ganz eigene Stimme hat. Besonders auffällig war ein Exemplar, welches einen unglaublich hohen Ton erzeugte. Christinas Kommentar dazu: „Ich glaube, die Kuh ist heiser!“.

Nachdem Klassenlehrer Herr Rüger alle Formalitäten mit der Vermieterin besprochen hatte fuhren wir weiter zu unserer Hütte nach Bersbuch um sie endlich auch „persönlich“ kennenzulernen. Das etwa 400 Jahre alte Gebäude besteht größtenteils aus Holz, besitzt eine Toilette, ein Bad mit Dusche, eine Küche, ein Esszimmer, ein Mädchen- und ein Jungenschlafzimmer und ein Wohnzimmer mit Kamin. Wir luden alles aus und aßen eine Kleinigkeit.

Um viertel vor drei brachen wir dann bereits zu unserer ersten Unternehmung auf: Unser Ziel war der Bahnhof in Bezau (ein Nachbarort von Bersbuch). Dort fuhren wir mit dem Wälderbähnle. Das Bähnchen besteht aus einer historischen Lok und einigen Waggons, die mit Holzsitzen ausgestattet sind. Die Fahrt führte über eine historische Strecke von Bezau über Bersbuch bis nach Schwarzenberg (Nachbarort von Bersbuch), die von 1902 bis 1989 noch regulär im Betrieb war. Dabei konnten wir auch unsere Hütte wieder erkennen. Frau Liebers machte Fotos davon. Als wir wieder in Bezau ankamen, durften diejenigen, die wollten, mit auf den Führerstand der Lok kommen – und stellt euch vor: Batuhan, ein vollblinder Junge unserer Klasse, durfte sogar ganz alleine fahren! Anschließend konnten wir in der Reparaturhalle weitere Wagen und Loks besichtigen und bekamen vom Lokführer Einiges erklärt.

Wieder am Haus machten sich die Mädels und Frau Liebers dann auf zu einer ersten Erkundungstour. Später spülten wir das Geschirr vom Mittagessen und kochten Nudeln mit Tomatensoße. Die Vermieterin hatte jedem von uns ein Stück Kuchen spendiert, den wir als „Vortisch“ genießen wollten, und so kochten wir Kakao mit frischer Kuhmilch und legten für ein Weilchen unsere Arbeit nieder. Nach dem Essen kam dann wieder der Abwasch dran, den diesmal die blinden Mädchen erledigten, während die übrigen Kids draußen an der Bregenzer Ach oder vor dem Haus spielten.

Nach einer Weile kam Herr Mielke mit einer Gitarre und ein musikalischer Abend begann: Kerstin setzte sich sofort ans Keyboard und Sophie und Batuhan fanden ihren Platz am Cajon (ausgesprochen wird es Kachon). Die Bachcrew sang oder trommelte auf dem Tisch den Rhythmus mit. Danach zogen wir uns um, putzten Zähne und schon bald kehrte wohltuende Stille ein.

 

Am nächsten Morgen wurde es ein bisschen stressig, da wir einen Termin hatten, den wir nicht verpassen wollten und wir davor noch eine lange Fahrt mit Bus und der Bezauer Bergbahn zu bewältigen hatten. Also standen wir um halb sieben auf, frühstückten, spülten und packten in einer Blitzaktion, bevor wir uns um 07.50 Uhr mit unseren Rucksäcken auf den Weg zur Bushaltestelle machten. Wir fuhren nach Bezau, mussten noch ein Stückchen laufen und fuhren dann mit der Bergbahn zur Mittelstation. Interessant daran war, dass es sich in der Gondelbahn so anfühlte, als würde sie sehr langsam fahren, obwohl sie in Wirklichkeit doch recht zügig unterwegs war. Dies wurde uns allerdings erst bewusst, als wir nach dem Aussteigen hören konnten, wie sie auf dem Weg zur Bergstation an uns vorbei sauste. Wir gingen entspannt von der Mittelstation über die Alpe Sonderdach nach oben. Rechts und links weideten Kühe mit Kuhglocken. So konnten auch die Blinden die Tiere deuten und die Tonvielfalt der Glocken erfahren. In der Sennerei erfuhren wir dann, dass es ca. sechzig Kühe waren. Der Senner erklärte und zeigte uns, wie Käse und Butter hergestellt wird. Er meinte, dass er von diesen sechzig Kühen pro Tag bis zu 700 Liter Milch bekommt. Wir konnten den ganzen Prozess mit Abschöpfen des Frischkäses aus der Molke, Pressen in Holzformen, und auch das Anheizen des Kessels miterleben. Auch erfuhren wir, dass er aus der übrig bleibenden Molke sogenannte „Wälderschokolade“ produziert, eine etwas salzig schmeckende Karamelcreme.  Auch durften wir Käse und ganz frische Butter probieren. Zum Schluss zeigte uns der kleine Sohn des Senners ein Kalb, das am Tag zuvor geboren worden war und wir konnten auch das laute Grunzen der neugierigen Schweine miterleben.

Anschließend wanderten wir den Berg hinauf, bis wir am Gipfel ankamen. Da die Gruppe dabei ziemlich auseinandergezogen wurde, verständigten wir uns über Walkie-Talkies. Oben angekommen machten wir dann eine lange Pause.

Anschließend teilten wir die Gruppe auf: Tom und Sophie, die sportlichsten der Klasse, nahmen mit Frau Liebers den recht anspruchsvollen Panoramaweg mit vielen tollen Ausblicken und stolperigen schmalen Wegen, während wir übrigen uns für den direkten Weg nach unten entschieden. An der Mittelstation warteten wir auf die drei „Sportler“ und fuhren gemeinsam mit dem Sessellift in Richtung Andelsbuch nach unten. Dieses kleine Gefährt hat je zwei Sitze und schwebt zwischen zehn und zwanzig Meter in der Luft. Dabei fährt es über 25 Stützpfeiler, wobei es immer wackelt. Besonders witzig war es, die Kuhglocken genau unter sich zu hören oder über den Bach zu fahren. Kerstins Kommentar dazu: „Hoffentlich stürzen wir jetzt nicht ab …“. Bevor unser Ausflug zu Ende war aßen wir noch ein Eis und gingen ins Andelsbucher Käsehaus. Einige kauften sich dort Käse, Kuhglocken oder ähnliches.

Wieder auf der Hütte machten sich die Jungs mit Herrn Rüger und Frau Liebers direkt auf den Weg zur Ach und testeten die Kälte des Wassers, während die Mädchen und Bathuan im Haus blieben. Wir duschten, packten aus und Herr Mielke nutzte die Zeit, um Kerstins Gehör zu testen. Als dann die Wasserratten duschten, befassten sich die Landratten mit dem Zubereiten der Käsespätzle. Natürlich mit Käse von der Alm am Vormittag. Um viertel nach acht waren wir dann soweit, dass wir essen konnten. Heute wurde nicht mehr musiziert oder weiteres Programm gemacht und so kehrte schnell Ruhe ein (Anmerkung des Klassenlehrers: Die eigentlich geplante Nachtwanderung fiel leider wegen strömenden Regens aus.).

Am Donnerstag stand uns ein stressfreier Tag bevor und wir schliefen bis neun Uhr. Wir frühstückten ganz gemütlich und machten uns dann auf den Weg zur Schuhmanufaktur nach Bezau. Dort durften wir die Holzschuhe anfassen und anprobieren und auch Fragen stellen. Dann fuhren wir zum Sutterlüty im KDW (dem Kaufhaus der Wälder) einem Einkaufsszentrum.

Unterwegs erkundeten wir noch ein riesengroßes Ei aus Beton in dem unsere Stimmen stark nachhallten. Ob das Ei da steht, weil der Nachbarort Egg heißt, konnten wir nicht herausfinden.

Im Sutterlüty schauten wir nach der „Wälderschokolade“, von welcher uns der Senner erzählt hatte. Wir fanden sie jedoch erst später am Tag bei einem weiteren Besuch im Käsehaus, nachdem uns Christine, unsere Vermieterin, den Tipp gegeben hatte, wo diese dort steht.

Wir fuhren zum Bauernhof nach Andelsbuch und bekamen die Möglichkeit, noch einmal zu den Kühen zu gehen. Diesmal sahen wir auch die anderen Tiere: Ein Kalb, drei Ziegen und einige Schweine. Parallel fand oben auf dem Heuboden das große „Kranfahrprogramm“ statt, wobei wir mit dem Kran mitfahren durften. Dieser hat einen großen Greifer, mit dem er das Heu vom Heuboden nimmt. Der Fahrer fährt das Fahrzeug in den Stall und der Greifer lässt die „Beute“ wieder los. Herr Rügers Kommentar dazu: „So eine Möglichkeit bekommt ihr womöglich nie wieder!“ In der Hütte packten wir schon wieder unsere Koffer und aßen zu Mittag.

Anschließend machten wir uns mal wieder auf den Weg zur Ach – aber diesmal alle zusammen. Wir bekamen zwei Aufgaben, die wir lösen mussten:

  1. einen Staudamm bauen
  2. Bananenboot (=Boot für eine Banane) bauen.

Mit den gebauten Booten fuhren wir dann ein Bootsrennen. Das Boot der Jungs war zwar schneller, dafür hatten die Ladys aber ein besser gestyltes Werk. Beide Gruppen erhielten also einen Preis. Obwohl das Wasser sehr kalt war und an manchen Stellen eine starke Strömung hatte, ist nichts passiert. Nur Batuhan ging einmal unfreiwillig im Bach Baden.

Da unsere Füße fast erfroren waren als wir zurück zur Hütte schlurften, duschten wir uns alle mit warmem Wasser ab, machten den Kamin an und kochten Tee. So wurde es ein gemütlicher Nachmittag am Feuer.

Während die Jungs anschließend einen Grill bauten und das Lagerfeuer entzündeten unterhielten sich die Damen im Haus, kümmerten sich ums Gemüse und deckten den Tisch. Wir aßen in der kalten Scheune. Der Tisch war sehr klein und so war es sehr eng. Es gab Kartoffelsalat, Rohkost, Würstchen und Steaks. Zum Nachtisch grillten wir am Feuer Marshmallow. Eigentlich wollten wir auch noch singen, aber da es draußen so kalt war verzogen wir uns so schnell wie möglich zurück ins Haus. Wir zogen uns um, packten zu Ende, putzten Zähne, machten eine Abschlussbesprechung (bei der einige Schüler schon fast einschliefen), schrieben Postkarten und gingen dann ins Bett.

 

Am Freitag frühstückten, spülten und packten wir. Die Vermieter machten ein Abschiedsfoto von uns allen und dann begann um zwanzig vor neun unsere Rückfahrt (Fahrzeit mit Pausen: ca. 5,15 Stunden).

In der Schule luden wir noch das Auto aus, trugen die Instrumente in den Musikraum und versorgten die Lebensmittelreste. Dann verabschiedeten wir uns ins Wochenende.

Kerstin Peters (Schülerin der RS2018)

Sinn unseres des Landheims:

In den letzten zwei Jahren hat es viele Streitereien und Auseinandersetzungen in der Klassengemeinschaft gegeben. Es hat lange gedauert bis die Schüler zusammengefunden haben. Nun ist noch eine weitere Schülerin dazu gekommen und wir wollten uns einfach noch einmal „kennenlernen“. Es funktionierte alles super und es gab keinerlei Auseinandersetzungen – Wir hoffen, dass dies so bleibt.

Kerstin Peters (Schülerin der RS2018)

Anmerkung des Klassenlehrers:

Bei der Organisation eines Landheims hofft man immer, dass die geplanten Angebote von der Gruppe mit Freude angenommen werden und eine gute Atmosphäre vorherrscht. Bei diesem Landheim war dies voll und ganz der Fall.

Die Schüler waren neugierig und ließen sich ausnahmslos für alle Aktivitäten begeistern. Die Angebote wurden wertgeschätzt. Bei Problemen halfen sich die Schüler untereinander weiter. Der Umgangston war sehr höflich. Es gab kein Nörgeln oder Querschießen, kein Ausgrenzen oder Ausrasten. Jeder beteiligte sich wie selbstverständlich an den anfallenden Arbeiten, und das ohne die Einteilung irgendwelcher Dienste.

Unsere Hütte, unsere Fahrzeuge, die Menschen vor Ort und auch wir Lehrer wurden mit Respekt behandelt. Mit Ausnahme von zwei versehentlich umgestoßenen Trinkgläsern ging nichts kaputt.

Kurz zusammengefasst: Ich bin stolz auf „meine“ Klasse.

Danken möchte ich noch Frau Liebers und Herrn Mielke, deren Begleitung und deren Ideen zum Gelingen das Landheims so viel beigetragen haben.

Eindrücke einer Begleitperson

Die Zeit im Landschulheim mit der Klasse R7 empfand ich als sehr lebendig, sehr fröhlich und auch sehr lehrreich. Mir hat es besonders gut gefallen, dass die Klasse nach einem unruhigen letzten Schuljahr ein richtig starkes, selbstbewusstes und humorvolles Team geworden ist, in dem sich alle wohlfühlen.

(Herr Mielke)