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Die Klassen HS2017 und RS2018 im Skilandheim

Die Klasse R8 im Skilandheim.

Wie in den letzten Jahren auch ging es für alle Achtklässler wieder ins Skilandheim – wie das diesmal abgelaufen ist und was wir erlebt haben, kann man im folgenden Tagebuch lesen.

Montag, 11.01.2016

Gegen 10.35 Uhr fuhren wir mit einem Bus und einem Privatauto los. Da die Möglichkeit zur Abholung bestand, machten wir noch in Bad Rappenau und Stuttgart Halt. In Ulm machten wir eine gemeinsame Mittagspause. Gott sei Dank waren die Straßen frei und so verloren wir keine zusätzliche Zeit. In unserem Haus in Andelsbuch, einem kleinen Ort im Bregenzer Wald, packten wir erstmal unsere Sachen aus und richteten die Zimmer ein. Außerdem mussten wir Skischuhe und Helme anprobieren, um sicherzustellen, dass auch etwas Passendes dabei war. Schließlich begannen wir mit der Vorbereitung des Abendessens. Jeder Schüler hatte im Laufe der Woche dreimal Küchendienst – mal morgens, mal abends – bei dem er beim Tischdecken, Kochen, Spülmaschine ein- und ausräumen usw. half. Zum Abendessen gab es Pellkartoffeln mit Quark und Rohkost. Nachher trafen wir uns nochmal für eine theoretische Einweisung. Dabei schauten wir uns zum Beispiel Skischuhe und Skier einmal ganz genau an, durften Fragen stellen und bekamen einiges erklärt. Es wurde demonstriert, wie man die Skistiefel in die Bindung der Skier einhakt und was bei einem Sturz passiert. Blinde bekamen die Möglichkeit, alles in Ruhe zu ertasten. Außerdem wurden noch die FIS-Regeln, die Regeln, die auf der Piste gelten, besprochen. In denen steht unter anderem, dass man, wenn jemand zum Beispiel hingefallen ist, dazu verpflichtet ist, zu helfen –  man darf also nicht einfach weiterfahren, sondern muss erst fragen, ob alles in Ordnung ist – und dass man keine anderen Skifahrer oder Snowboarder bei ihremVorhaben behindern und stören darf. Nach etwas mehr als einer Stunde war alles geklärt und wir verbrachten den restlichen Abend mit den Uno-Karten oder bei „Wahrheit oder Pflicht“.

Dienstag, 12.01.2016

Nach dem Frühstück fuhren wir in einen Sportladen, um unsere Skier einstellen zu lassen. Wir mussten unsere Ski-Erfahrung sowie Größe und Gewicht angeben, woraufhin dann die Skier abgestimmt wurden. Das ist sehr wichtig, da die Bindung (Verbindung zwischen Ski und Skistiefel) beim Sturz automatisch aufgeht und dies weder zu früh, noch zu spät passieren darf. Anschließend sind wir zum sogenannten „Bödele“ gefahren, wo wir unsere ersten Fahrversuche unternahmen. Zunächst liefen wir, ähnlich wie auf Schlittschuhen, über das flache Gelände, dann erfuhren wir an einem ganz flachen Hang, wie es sich anfühlt, zu gleiten. Als wir ausreichend Sicherheit gewonnen hatten, ging es zu einer einfachen Piste – vor allem für Nichtsehende eine etwas schwierige Sache, schließlich muss man erst einmal mit einem Tellerlift den Berg hochfahren: Dabei stellt man die Skier parallel zueinander und lässt sich über den Schnee ziehen. Von rechts oder links (je nach dem, an welcher Piste man steht) kommt dann ein Bügel, eine Stange, an der man sich fest hält, mit einem Teller, der dem Teller einer Seilbahn, wie man sie von Spielplätzen kennt, ähnelt, den man sich unter den Hintern schiebt. Allerdings sollte man sich nicht hinsetzen, sondern locker stehen bleiben, denn da das Seil elastisch ist, würde man sonst einfach auf dem Hosenboden landen. Ist man oben, läuft man erstmal nach rechts oder links vom Lift weg, damit einen die nachfolgenden Lifte nicht am Kopf treffen und die Leute nicht beim Aussteigen gehindert werden. Blinde sind dabei auf das Kommando (3, 2, 1, raus) eines Sehenden angewiesen, es sei denn, sie finden eindeutige Orientierungsmöglichkeiten (wie zwei brummende Säulen dicht hintereinander). Hat man die Liftfahrt überstanden, folgt die Abfahrt. Auch hierbei gibt es verschiedene Führtechniken: Blinde, die bereits länger Ski fahren, können frei fahren und bekommen die Kurven von einem Sehenden angesagt, der vor oder hinter ihnen fährt. Andere fahren lieber bei einer sehenden Person an der Hand mit oder binden sich ein Seil um den Bauch, dessen anderes Ende von einer Begleitperson festgehalten wird. Da wir uns morgens ein Vesper für die Piste gerichtet hatten, konnten wir bis 16.00 Uhr üben. Zum Abendessen gab es heute Spaghetti Bolognaise, danach war wieder Freizeit.

Mittwoch, 13.01.2016

Heute waren wir wieder am Bödele und da wir nicht mehr in den Sportladen mussten, waren wir sogar noch früher da. Wenn man den Tellerlift zur einfachen Piste, auf der wir am Vortag geübt haben, hochgefahren ist, konnte man da noch höher fahren. Dafür gab es zunächst ein Seil, an dem man sich festhielt und weiter gezogen wurde, allerdings war dies für Blinde nur sehr schwer selbstständig möglich. Als Nächstes kam ein Förderband, das ähnlich wie ein Laufband funktionierte, nur mit dem Unterschied, dass man nicht laufen musste, sondern auch gezogen wurde. Irgendwann kam von hinten ein Sessel, auf den man sich draufsetzte. Dort gab es einen Bügel, den man herunterklappen konnte und der als Ablagefläche für die Füße gedacht war, und eine Haube, die bei Sturm oder Schneefall wie ein Dach über den Sessel gespannt werden konnte. Oben angekommen, konnte man dann eine Waldabfahrt hinuntergleiten. Alle sind dort hoch und zum ersten Mal eine längere Piste gefahren. Da es sehr klar war, konnte man sogar den Bodensee sehen. Mittags haben wir in einer Skihütte Pommes gegessen und Skiwasser (Himbeersirup mit Wasser) getrunken. Zurückgefahren sind wir ungefähr um die gleiche Zeit wie am Vortag. Nach dem Abendessen (Currygemüse mit Reis) haben wir noch alle zusammen „black stories“ gespielt.

Donnerstag, 14.01.2016

Heute sind wir nach Damüls gefahren und haben dort die Pisten unsicher gemacht. Sophie, Tom und Marvin versuchten sich im Snowboardfahren, während Christina und Cedric bis ganz nach oben fuhren und die anderen am Anfängerhang zugange waren. Da dieser Hang nicht so steil war, konnten auch die ungeübteren Blinden frei fahren. Hier gab es auch keinen Lift, sondern lediglich ein Förderband, das einen nach oben beförderte, dieses kann man sich etwa wie eine Rolltreppe vorstellen. Neben Skihose und Skijacke trug jeder Blinde oder Sehbehinderte eine Warnweste, die die übrigen Ski- und Snowboardfahrer auf ihre Einschränkung aufmerksam machen sollte. Zudem trug jeder eine Skibrille, einen Helm mit integriertem Polster und natürlich Skier und Skischuhe. Nach dem Abendessen feierte Sophie mit Süßigkeiten und black storys ihren Geburtstag.

Freitag, 15.01.2016

Am Freitag war der letzte vollständige Tag. Wir waren in Mellau und diesmal sind alle wieder Ski gefahren. Tom und Sophie trauten sich auf die schwarze Piste, während die anderen das Gelernte der vergangenen drei Tage an einfacheren Hängen anwendeten. Es gibt drei Schwierigkeitsstufen, die eine Piste haben kann, die durch verschiedene Farben gekennzeichnet sind: Blau (einfach), rot (mittelschwer) und schwarz (schwer). Nach dem Mittagessen fuhren wir nach Bezau zur Mittelstation und nahmen von dort aus die Bergbahn. Nun fuhren wir von ganz oben zur Mittelstation mit Schlitten hinunter. Diese waren so groß, dass man zu zweit hintereinander sitzen konnte. Die Fahrt war teilweise etwas turbulent, man bekam ganz schön Tempo und musste manchmal ziemlich scharfe Kurven fahren und am Ende ging es sogar durch den Tiefschnee. Dabei ist uns noch etwas Lustiges passiert: Wir hatten eine Kamera dabei. Ein Schüler filmte sich und seine Begleitperson gerade beim Rodeln, als ihm die Kamera aus der Hand fiel und im Schnee landete. Der darauf folgende Schlitten glitt haarscharf dran vorbei, der Nächste raste mitten drüber. Da stieg der Schüler, der sich auf dem Schlitten, der die Kamera „überfahren“ hatte,  befand, ab, lief zurück, holte sie, säuberte sie kurz, setzte sich wieder auf den Schlitten und fuhr weiter – wir hatten beim Anschauen des Films auf jeden Fall etwas zu lachen. Bevor es wieder ins Landheimhaus ging, bestand noch die Möglichkeit, ins Käsehaus zu gehen, um ein Mitbringsel für die Eltern zu besorgen. Diejenigen, die an diesem Angebot kein Interesse hatten, räumten schon mal die Skischuhe und Skier zurück in den Keller. Nach dem Essen ließen wir den Abend noch gemütlich ausklingen und bereiteten alles für die Abreise vor.

Samstag, 17.01.2016

Heute bestand die Aufgabe darin, die Betten abzuziehen, den Müll wegzubringen, die restlichen Sachen einzupacken und grob durchzusaugen. Vor der Abfahrt machten wir noch eine Schneeballschlacht, wir spielten quasi in zwei „Teams“, jedes Team hatte Schneebälle und dann jagte man sich gegenseitig und versuchte, die jeweils anderen zu treffen. Nach einem abschließenden Gruppenfoto machten wir uns auf den Weg nach Deutschland.

Es war ein interessantes, schönes und aufregendes Landheim, das allen viel Spaß gemacht hat und dass wir so schnell nicht vergessen werden – vielen Dank an alle, die uns das ermöglicht haben!

(Kerstin Peters RS2018)